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'''Kernenergie''', '''Atomenergie''', '''Atomkraft''', '''Kernkraft''' oder '''Nuklearenergie''' wird in erster Linie die Technologie zur großtechnischen Erzeugung von Sekundärenergie mittels Kernspaltung genannt. Diese Technologie wird seit den 1950er Jahren in großem Maßstab zur Stromproduktion genutzt, während die ebenfalls unter diese Begriffe fallende Kernfusionsenergie für die Stromproduktion erst in vielen Jahren eine Rolle spielen kann.

Mit Stand Januar 2019 waren 453 Kernspaltungs-Reaktorblöcke mit einer Gesamtleistung von 399,4?GW in 31 Ländern in Betrieb. Weitere 55 Reaktorblöcke mit einer Gesamtleistung von 56,6?GW befinden sich in Bau.<ref name="pris"></ref>

Neben stationären Kernreaktoren gibt es etwa 180 Reaktoren auf ca. 140 Wasserfahrzeugen, darunter Atomschiffe und Atom-U-Boote, einige Atomeisbrecher, sowie dedizierte seegestützte Kernkraftwerke. Es wurden auch bereits Satelliten mit Kernreaktoren betrieben.

Zu den Vor- und Nachteilen der Kernspaltungsenergie gibt es unterschiedlichste Ansichten, sodass ihre Nutzung im Allgemeinen als auch ihre Sicherheit im Speziellen sowohl in der Wissenschaft als auch in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert werden.

Geschichte

Begriffsgeschichte

Als einer der ersten prägte der Physiker Hans Geitel 1899 den Begriff ''Atomenergie'' für die im Zusammenhang mit radioaktiven Zerfallsprozessen auftretenden Phänomene. Später kamen die Synonyme ''Atomkernenergie'', ''Atomkraft'', ''Kernkraft'' und ''Kernenergie'' hinzu.

Die Verwendung dieser Begriffe hat eine politisch-ideologisch motivierte Verschiebung erfahren. In den 1950er-Jahren war Franz Josef Strauß ''Bundesminister für Atomfragen''. Eine 1955 in Genf abgehaltene Konferenz mit hochrangigen Wissenschaftlern trug den Titel ''International Conference on the Peaceful Uses of Atomic Energy'' und wurde in deutschen Medien als Atomkonferenz bekannt. In der Folge dieser Konferenz wurde 1957 die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) gegründet. Der Lobbyverband der an der Technik interessierten deutschen Unternehmen wurde 1959 als Deutsches Atomforum gegründet. In den folgenden Jahrzehnten distanzierten sich die Befürworter der Technik von der Vorsilbe ''Atom'' und verwendeten in Deutschland ausschließlich ''Kern''. Parallel dazu geschah im englischen Sprachraum eine Verschiebung von ''atomic'' zu ''nuclear''. Als Grund gilt die unerwünschte Assoziation mit dem zunehmend negativ besetzten Begriff der Atombombe. Kritiker behielten dagegen die Vorsilbe ''Atom'' sowohl in der Eigenbezeichnung Atomkraftgegner als auch in Slogans wie etwa ?Atomkraft? Nein danke? bei. Sie sprachen weiterhin von Atomenergie und Atomkraftwerken mit der Abkürzung AKW.

Das Synonym ''Atomkernenergie'' wurde in der ersten Zeit der technischen Nutzung verwendet<ref>.

Alle diese Begriffe bezogen sich auf die Kernspaltungsenergie. Der Begriff ?Atomkernenegie? umfasst auch die ?Kernfusionsenergie?. Am 31. Oktober 1952 wurde die erste auf Kernfusion beruhende Wasserstoffbombe gezündet.

Technikgeschichte

Um 1890 wurden erste Experimente zur Radioaktivität durchgeführt. Das Ziel Antoine Henri Becquerels, Marie und Pierre Curies und anderer war die Erforschung von Kernreaktionen.

1938 entdeckten Otto Hahn und Fritz Straßmann die induzierte Kernspaltung von Uran, die 1939 von Lise Meitner und Otto Frisch theoretisch erklärt wurde. Zusammen mit dem insbesondere von Frédéric und Irène Joliot-Curie erbrachten Nachweis, dass eine Kettenreaktion möglich ist, weil bei jeder durch ein Neutron ausgelösten Kernspaltung mehrere weitere Neutronen freigesetzt werden, wurden die praktischen Anwendungsmöglichkeiten der Kernspaltung klar.

Zuerst wurden diese Erkenntnisse für die militärische Forschung während des Zweiten Weltkrieges genutzt. Im Rahmen des Manhattan-Projekts gelang Enrico Fermi am 2. Dezember 1942 die erste kontrollierte nukleare Kettenreaktion in einem Kernreaktor in Chicago (Chicago Pile One). Während das Ziel des von Robert Oppenheimer geleiteten Manhattan-Projekts mit der ersten erfolgreich gezündeten Atombombe am 16. Juli 1945 (Trinity-Test) erreicht wurde, gelang es der deutschen Forschungsgruppe unter Werner Heisenberg und Carl Friedrich von Weizsäcker bis zum Kriegsende nicht, einen funktionierenden Kernreaktor zu entwickeln (Uranprojekt).

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die militärische Forschung fortgesetzt. Parallel wurde die zivile Verwendung der Kernenergie entwickelt. Ende 1951 erzeugte der Versuchsreaktor EBR-I im US-Bundesstaat Idaho erstmals elektrischen Strom aus Kernenergie und erleuchtete am 20. Dezember vier Glühlampen. Das erste Kraftwerk zur großtechnischen Erzeugung von elektrischer Energie wurde 1954 mit dem Kernkraftwerk Obninsk bei Moskau in Betrieb genommen. 1955 folgte das Kernkraftwerk Calder Hall in Nord-West England auf dem Gelände des Nuklearkomplexes Sellafield.

In Deutschland wurde 1957 mit dem s, ein ?Sieg der Ökonomen über die Techniker?.

Mit dieser Nachahmung der Amerikaner ergaben sich für Deutschland spezifische Probleme: So waren die zivilen amerikanischen Reaktoren in Anbetracht des Status der USA als zu versorgen; maßgeblich aus den Überlegungen heraus motiviert, die besondere Zuverlässigkeit deutscher Kernkraftwerke zu beweisen.

In den 1960er Jahren wurden zahlreiche weitere Kernkraftwerke mit deutlich höherer Leistung gebaut. So hatte das 1966 in Betrieb gehende Kernkraftwerk Gundremmingen eine Leistung von 250?MW. 1968 wurde der Erzfrachter ?Otto Hahn? als nuklear betriebenes Forschungsfrachtschiff in Betrieb genommen; nach dem Ende des nuklearen Betriebs 1979 wurde es wieder auf Dieselantrieb umgerüstet.

In den 1970er Jahren wurde insbesondere nach der ersten kam.

1983 wurde in Schmehausen der Thorium-Hochtemperaturreaktor (Kernkraftwerk THTR-300) in Betrieb genommen. Er geht auf die Entwicklungen durch Rudolf Schulten zurück. Dieser Prototyp eines Kugelhaufenreaktors wurde sechs Jahre später nach mehreren technischen Störungen, langen Stillstandsphasen und nur 14 Monaten Volllastbetrieb stillgelegt. Die Stilllegung war notwendig geworden, da die Anlage 1989 am Rande der Insolvenz stand und keine Einigung über die Übernahme der auch weiterhin zu erwartenden hohen Betriebsverluste erzielt werden konnte. Der THTR wurde in den ''Sicheren Einschluss'' überführt.

Am 26.?April 1986 ereignete sich die Katastrophe von Tschernobyl, bei der nach einer Kernschmelze auch in Westeuropa große Mengen von Radioaktivität niedergingen. In der Folge nahm insbesondere in Europa die Kritik an der Nutzung der Kernenergie deutlich zu. Im Jahr 2000 wurde in Deutschland auf Druck der Bundesregierung der Ausstieg aus der kommerziellen Nutzung der Kernenergie bis etwa 2020 beschlossen.<ref name="ausstieg"> (PDF; 707?kB) beim BMWi</ref> In diesem Rahmen wurden bis 2005 zwei Kernkraftwerke vom Netz genommen. 2010 beschloss die schwarz-gelbe Koalition Kabinett Merkel II eine Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke um 8 bzw. 14?Jahre. Dieser Beschluss war politisch und gesellschaftlich stark umstritten (erst recht seit der Nuklearkatastrophe von Fukushima in Japan seit März 2011). Der schwere Unfall in Fukushima hat gezeigt, dass der weltweit verbreitete Leichtwasserreaktor mit Mark-I Containment von General Electric den Ansprüchen an Sicherheit nicht abschließend genügt, wobei die Gründe für den Unfall auch in Fehlentscheidungen des Betreibers (Wirtschaftlichkeit vor Sicherheit) und Nachlässigkeit der Behörden lagen. Als Reaktion darauf verkündete die Bundesregierung im März 2011 zunächst ein dreimonatiges Atom-Moratorium, schließlich wurde im Atomkonsens der Ausstieg bis zum Jahr 2022 beschlossen, die acht ältesten Kernkraftwerke wurden sofort stillgelegt.

Internationale Perspektive

mini|hochkant=1.4|Installationen und Deinstallationen von Kernenergieanlagen zur Stromerzeugung.107 <small>(Leistung aller neu installierten Kernkraftwerke [durchgezogener Rahmen] bzw. aller zerstörten oder permanent stillgelegten Kernkraftwerke [gepunkteter Rahmen] ? aufgeschlüsselt nach Jahren und Ländern. Die Legende gibt die Laut IAEA/PRIS sind die Anzahl der Kernkraftwerke und die installierte Leistung seit 1995 gestiegen. Die Anzahl der Reaktorblöcke erhöhte sich von 434 auf 445, die verfügbare Leistung stieg von 341?GW auf 387,4?GW. In den USA kündigte Präsident Barack Obama den Bau einer ?neuen Generation sicherer, sauberer Atomkraftwerke? an und bietet dafür staatliche Kreditgarantien in der Höhe von 38,6 Mrd.?Euro. Die ehemalige [[Frankreich|französische Regierung unter François Fillon bekräftigte 2011, dass die Kernenergie der Grundpfeiler der seit 40 Jahren andauernden Politik der Energieunabhängigkeit bleiben werde.<ref name="science">''Nuclear Power's Global Fallout.'' In: ''Science.'' Band 331, 25. März 2011, S. 1502?1503.</ref> Der im Mai 2012 neugewählte Präsident Hollande hat im Wahlkampf mit den (französischen) Grünen vereinbart, 24 der 58 französischen Reaktoren abschalten zu wollen.

In Indien werden mit Stand November 2013 sechs Kernkraftwerke gebaut. Es ist vorgesehen, bis 2050 25 % des Elektrizitätsbedarfs durch Kernenergie zu decken.<ref name="science" />

In China befinden sich mit Stand November 2013 30 Kernkraftwerke in Bau, etwa 148 weitere Reaktorblöcke befinden sich in Planung.

Russland betreibt mit Stand November 2013 33 Reaktoren und baut 10, 31 befinden sich in Planung.

Südkorea treibt die Kernenergie ebenfalls voran, derzeit sind 5 Reaktoren im Bau und weitere geplant.<ref name="science" />

Italien hat nach einem Volksentscheid, in dem sich 95 % der Bürger gegen den Wiedereinstieg entschieden, den von der Regierung Berlusconi geplanten Wiedereinstieg ad acta gelegt.

Tschechien hat Neubaupläne für Atomkraftwerke verworfen. Die Ausschreibung für die zwei neuen AKW-Blöcke am Standort Temelín wurde vom halbstaatlichen Energiekonzern ?EZ zurückgezogen.

Deutschland entschied sich bereits unter der Regierung Schröder für einen Atomausstieg bis etwa 2020/21. Die Regierung Merkel verlängerte zunächst die Laufzeiten, leitete jedoch nach dem Reaktorunfall von Fukushima einen beschleunigten Atomausstieg bis 2021 ein.

In wurde am 10. August 2015 als erstes Kernkraftwerk nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima wieder angefahren. Für weitere 25 Reaktoren laufen Anträge auf Wiederzulassung. Nach dem Abschalten der Kernkraftwerke sind die Strompreise um 20 bis 30 % gestiegen; Japan musste im Jahr fossile Brennstoffe für geschätzte 26 Mrd. ? zusätzlich importieren.<ref name="faz" />

Technologien

Zu den Kernkraftwerken gehören die zahlreich vorhandenen Kraftwerke auf Basis Kernspaltung und die zu erwartenden auf Basis Kernfusion.

Kernspaltung

Bei der induzierten Kernspaltung zerfällt ein Atomkern eines Uran- oder Plutonium-Isotops, nachdem er ein Neutron absorbiert hat, in (meist) zwei leichtere Kerne (die ''Spaltfragmente''). Die frei werdende Energie stammt aus der Differenz an Bindungsenergie der Spaltfragmente gegenüber dem Ursprungskern und wird in Form von kinetischer Energie der Spaltfragmente und als Gammastrahlung freigesetzt. Einschließlich der Energie, die beim nachträglichen radioaktiven Zerfall der Spaltfragmente noch frei wird, ergeben sich pro Spaltung etwa 200?MeV, also knapp 1?MeV pro Nukleon. Außer den Spaltprodukten werden bei der Spaltung auch 2?3 prompte Neutronen freigesetzt. Diese können weitere Kernspaltungen bewirken und führen so zu einer Kettenreaktion. Die nach der Spaltung aus den Spaltfragmenten noch abgegebenen verzögerten Neutronen ermöglichen es, die Kettenreaktion in einem Kernreaktor technisch zu steuern (siehe Kritikalität).

Der Energieausbeute von rund 200?MeV pro Spaltung entspricht eine thermische Energie von etwa 0,96?MWd (Megawatt-Tagen) pro Gramm Uran-235 oder Plutonium-239. Die gleiche thermische Energie kann durch Verbrennen von 2,8 t Steinkohle, 10 t Braunkohle oder 1,9 t leichtem Heizöl gewonnen werden.

Kernkraftwerk

Kernkraftwerke wandeln die Energie aus Kernspaltung in Wärmeenergie und diese in elektrische Energie um. '').

Sicherheit

Die Sicherheit von Kernspaltungskraftwerken spielt eine immer größer gewordene Rolle, besonders infolge der Reaktorunfälle von Tschernobyl und Fukushima, bei denen die Kettenreaktion bzw. die Nachwärmeproduktion außer Kontrolle gerieten. Die immer schärferen Sicherheitsvorschriften führten zu vielen zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen, aber auch zu erhöhten Betriebskosten.

Brennstoffkette

Für die Gesamtheit der Arbeitsschritte, die zur Versorgung von Kernreaktoren mit Brennelementen dienen, einschließlich der notwendigen Maßnahmen zur Entsorgung des radioaktiven Abfalls ist der Oberbegriff Brennstoffkreislauf üblich. Dieser Begriff wurde ursprünglich in der Diskussion um die Errichtung der Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf bekannt. Mit ?Kreislauf? ist nicht eine vollständige Wiederverwertung des Materials gemeint; in Wiederaufarbeitungsanlagen soll der gebrauchte Brennstoff nach Entnahme aus dem Reaktor in seine Bestandteile zerlegt und so Ausgangsmaterial für neue Brennelemente gewonnen werden.

Reichweite der Brennstoffe

{| class="wikitable"
|+ style="padding-bottom:1em"| Weltweite Uranvorkommen nach Preiskategorie für den Abbau, ohne vorhergesagte und spekulative Vorkommen. Stand 2014<ref name="Redbook" />
! Preiskategorie!! gesichert !! vermutet !! total !! Reichweite
|-
! $/kgU !! kt !! kt !! kt !! Jahre
|-
| <40
|style="text-align:right"| 507
|style="text-align:right"| 176
|style="text-align:right"| 683
|style="text-align:right"| 11
|-
| 40-80
|style="text-align:right"| 1.212
|style="text-align:right"| 745
|style="text-align:right"| 1.957
|style="text-align:right"| 31
|-
| 80-130
|style="text-align:right"| 3.699
|style="text-align:right"| 2.204
|style="text-align:right"| 5.902
|style="text-align:right"| 95
|-
| 130-260
|style="text-align:right"| 4.587
|style="text-align:right"| 3.048
|style="text-align:right"| 7.635
|style="text-align:right"| 123
|-
! colspan="3"| gesamt: !! 16.178
! colspan="1" style="text-align:right"| 261

|}
Ähnlich wie bei den fossilen Brennstoffen sind die Vorräte an Kernbrennstoffen auf der Erde begrenzt. Die Tabelle gibt einen Überblick über die bekannten abbaubaren Uranreserven und verwendet den derzeitigen Verbrauch von knapp 62.000 tU/Jahr<ref name="Redbook"> auf: ''bundestag.de'' (PDF; 782?kB)</ref>) würde aber selbst eine Vervielfachung des Uranpreises die Gesamtkosten und damit den Strompreis nur gering beeinflussen.

Von verschiedener Seite wird die Nutzung von Thorium (Th232) als Kernbrennstoff vorgeschlagen. Allerdings ist Thorium nicht spaltbar, es muss zunächst in einem Brutvorgang in spaltbares U233 umgewandelt werden, ähnlich wie bei der Nutzung des U238. Thorium ist in der Erdkruste mit 9,6 ppm etwa dreimal häufiger als Uran mit 2,7 ppm, von dem bisher nur das U235 mit einem Gewichtsanteil von 0,7 % genutzt wird. Mithilfe dieser Bruttechnologie, die bis heute nicht im großen Maßstab eingesetzt wird, könnte die in der Tabelle angegebene Reichweite somit etwa um eine Faktor 100 (U238) bzw. 300 (Thorium) verlängert werden.

Da in Deutschland kein Kernbrennstoff mehr abgebaut wird, sind die deutschen Kernkraftwerke auf Importe angewiesen.

Gewinnung und Anreicherung

Das Erz wird nach dem Abbau gemahlen und das Uran chemisch?? üblicherweise als Triuranoctoxid (U3O8)?? extrahiert. Anschließend wird das U3O8 in gasförmiges Uranhexafluorid (UF6) umgewandelt. Während in Schwerwasserreaktoren und in Brutreaktoren Uran mit der natürlichen Isotopenverteilung von 99,3 % 238U zu 0,7 % 235U verwendet werden kann, benötigen die weitverbreiteten Leichtwasserreaktoren angereichertes Uran mit einem Anteil von bis zu etwa 6 % 235U. Die Anreicherung von 235U erfolgt üblicherweise mittels Gasdiffusion oder Ultrazentrifugen von Uranhexafluorid. Das an U-235 angereicherte Uran wird dann als Urandioxid, eventuell zusammen mit Plutoniumdioxid als Mischoxid, zu Brennstäben verarbeitet. Mehrere Brennstäbe werden dann zu Brennelementen zusammengefasst.

Etwa die Hälfte der Uranförderung findet derzeit in dünn besiedelten Gebieten Kasachstans, Kanadas und Australiens statt. Uran und Thorium werden zumeist beim Bergbau für andere verbreitetere Metalle gewonnen, so etwa im Bergwerk Olympic Dam in Australien. Der Urangehalt derzeit genutzter Lagerstätten schwankt mit 0,03 bis 18?Prozent erheblich. Historisch und für die Waffenproduktion bedeutend war der Uranabbau in der ehemaligen DDR, namentlich bei der Wismut.

Beim Betrieb von Kernreaktoren entsteht durch die Bestrahlung von Uran mit Neutronen spaltbares Plutonium. Es wird bei der Wiederaufbereitung aus dem abgebrannten Brennstoff gewonnen und kann für neue Brennelemente verwendet werden. Eine weitere, derzeit (2016) bedeutende Quelle stellen Uran und Plutonium aus ehemaligen Kernwaffen dar, die infolge der Abrüstung außer Dienst gestellt wurden.

Die . Abgerufen am 8. Juli 2014.</ref>

Zwischenlagerung

Bei der Kernspaltung entstehen viele verschiedene radioaktive Isotope. Daher strahlen verbrauchte Brennelemente stark; ihr Material darf nicht in die Umwelt gelangen. Direkt nach dem Einsatz ist die Strahlung so stark, dass eine weitere Verarbeitung nicht möglich ist. Die Brennelemente werden aus diesem Grund für einige Monate oder Jahre im Zwischenlager des Kernkraftwerks in einem Abklingbecken gelagert. Nach dieser Zeit sind kurzlebige Isotope weitgehend zerfallen. Es verbleiben jedoch langlebige Isotope, wodurch die Brennelemente weiterhin hoch radioaktiv sind und auch laufend Wärme produzieren. Ein Teil dieser Isotope ist spaltbar und lässt sich nach chemischer Abtrennung im Prinzip als Kernbrennstoff verwenden. Der Rest muss gelagert werden, bis er durch radioaktiven Zerfall unschädlich geworden ist.

Für den Abtransport und die Lagerung der Brennelemente außerhalb des Abklingbeckens verwendet man spezielle Transportbehälter, beispielsweise ''Castor-Behälter''. Abgebrannte, nicht wiederaufgearbeitete Brennelemente und radioaktiver Abfall aus Wiederaufarbeitungsanlagen werden in Lagerungsbehältern in Zwischenlagern so lange gelagert, bis die Wärmeentwicklung so weit abgeklungen ist, dass eine Endlagerung möglich ist. Dies dauert einige Jahrzehnte.

Wiederaufarbeitung

In ''. Dokumentarfilm von Eric Guéret & Laure Noualhat (dt. Ausstrahlung 15. Oktober 2009); Ansehen auf YouTube</ref>

In Deutschland war eine Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf in Bau, wurde aber aus finanziellen Gründen und aufgrund des starken Widerstands aus der Bevölkerung nicht fertiggestellt.<ref name="lk">Landkreis Schwandorf: 105.48.1 ''WAA Wackersdorf 1980?1989'', www.landkreis-schwandorf.de (26. Oktober 2006)</ref>

Eine Möglichkeit zur Umwandlung langlebiger radioaktiver Abfälle besteht in der s in Belgien entstehen.

Endlagerung

Der radioaktive Abfall eines Kernkraftwerks strahlt auch nach Jahrzehnten noch stark. Hochradioaktiver Abfall (''High Active Waste'') ist erst nach einigen Tausend bis einigen Hunderttausend Jahren (je nachdem, was man als ungefährlich einstuft) ausreichend abgeklungen. Zudem sind einige darin enthaltene Elemente auch chemisch sehr giftig. Deshalb muss radioaktiver Abfall in einem Endlager so gelagert werden, dass er von der Biosphäre dauerhaft ferngehalten wird. Hochradioaktiver Abfall muss zuvor soweit abgeklungen sein, dass die Zerfallswärme nicht mehr zur Schwächung des Aufbewahrungsbehälters (z. B. durch Korrosion) führen kann. Dies erfolgt in Zwischenlagern, die als Trocken- oder Nasslager ausgeführt werden können. In Deutschland ist die Trockenlagerung üblich, die stählernen Aufbewahrungsbehälter ??zum Beispiel Castoren?? werden stehend gelagert und haben Kühlrippen.

2015 erteilte die finnische Regierung die Baugenehmigung für das weltweit erste Endlager für hochradioaktiven Abfall, dem Endlager Onkalo in Olkiluoto. Mit der Einlagerung soll 2020 begonnen werden.

Rückbau eines Kernkraftwerks

Am Ende der Laufzeit eines Kernkraftwerks nach etwa 40 Jahren erfolgt die Stilllegung und der Rückbau des Kernkraftwerks. So sollen laut IEA bis 2024 etwa 200 Kernkraftwerke altersbedingt stillgelegt werden. Die Kosten für den Rückbau dieser Kernkraftwerke schätzt die IEA auf über 100 Milliarden USD. Der Aufwand ist deshalb so hoch, weil fast sämtliche Bauteile radioaktiv sind, getrennt und entsprechend ihrer Halbwertszeit gelagert werden müssen.

Kernfusion

Zur Energiegewinnung aus Kernfusion auf der Erde kommen die Wasserstoffisotope Deuterium und Tritium in Frage. Bei ihrer Fusion entstehen sehr schnelle Neutronen, deren Energie als Wärme zur Stromproduktion genutzt werden soll, und Heliumionen, deren Energie die zur Fusion nötige Plasma-Temperatur aufrechterhalten kann. Die folgenden Absätze beschreiben in Entwicklung befindliche und im kleinen Maßstab erfolgreiche, aber großtechnisch noch nicht realisierte Prozesse.

Kernfusionskraftwerk

Kernfusionskraftwerke sollen die Energie aus Kernfusion in Wärmeenergie und diese in elektrische Energie umwandeln, indem Turbinen mit daran gekoppelten Generatoren elektrischen Strom produzieren.

Sicherheit

Bei der Sicherheit von Kernfusionskraftwerken spielt nur die nach außen gelangende (Neutronen- und Gamma-) Strahlung eine Rolle. Eine Kettenreaktion findet nicht statt. Ungewollte Leistungssteigerungen sind nicht möglich: Eine Erhöhung der Temperatur (z. B. bei Ausfall der Kühlung) führt zum Aufblähen des Plasmas, das dadurch an die Plasmakammerwände gerät und sofort erlischt. Auch andere geringfügige Störungen bewirken ein sofortiges Erlöschen des Plasmas. Bei einem plötzlichen Leck in der Plasmakammerwand tritt nichts aus, sondern infolge der geringen Dichte des Plasmas (Hochvakuum) strömt das etwa 500.000fache der Brennstoffmasse (10 g) an kalter Außenluft (5 t) ein.

Radioaktivität, Abfall

Bei der Kernfusion entsteht keinerlei radioaktiver Abfall, sondern nicht-radioaktives Helium. Jedoch wird das zum Bau verwendete Material aktiviert. Dieses Radioaktivitäts-?Inventar? eines Fusionskraftwerks wird mit dem eines Kernkraftwerks derselben Leistung vergleichbar sein, jedoch sind die Halbwertszeiten bei geeigneter Materialwahl entscheidend kürzer. Der Brennstoff Tritium, von dem sich im Betrieb wenige Kilogramm in der Kraftwerksanlage befinden würden, stellt im Dauerbetrieb nur einen kleinen Teil der Gesamtaktivität dar; weit größer wäre das durch Neutronenaktivierung der Strukturmaterialien aufgebaute Inventar.

Die Radioaktivität verteilt sich allerdings auf eine viel größere Materialmenge als beim Kernspaltungskraftwerk, weil der Reaktor insgesamt viel größer ist und auch die äußeren Teile Radionuklide enthalten. In einem nicht näher spezifizierten Beispiel wird angeführt, dass ?ein Fusionsreaktor? während einer Laufzeit von 30 Jahren 16.000 Tonnen radioaktiven Abfall produzieren werde, weil die Blanketmodule von Zeit zu Zeit ausgetauscht werden müssen. Bei seinem Abriss käme noch einmal mehr als die doppelte Menge hinzu. Die Radioaktivität von 90 Prozent dieses Abfalls wäre nach 50 Jahren so weit abgeklungen, dass er in die Umwelt freigesetzt werden könnte. Die restlichen zehn Prozent müssten 100 Jahre in unterirdischen Endlagern aufbewahrt werden.

Brennstoffe

Es werden gleiche Volumina der Wasserstoffisotope Deuterium und Tritium verwendet, allerdings nur Millionstel an Masse im Vergleich zu Uran für die gleiche Strommenge. Die Brennstoffkosten sind unerheblich. Als Abfallstoff der Fusionsreaktion entsteht nur das stabile Gas Helium.

Deuterium ist natürlicherweise im Wasser enthalten; die Weltmeere enthalten so viel Deuterium, dass man das Mittelmeer mehrfach damit füllen könnte. Die Reichweite ist also praktisch unbegrenzt und wahrscheinlich länger, als es Menschen auf der Erde geben wird. Hingegen muss das radioaktive Tritium künstlich aus Lithium erbrütet werden. Dies würde im Fusionskraftwerk selbst geschehen, so dass das Tritium immer innerhalb der Anlage bleibt. Die weltweiten Lithiumvorräte werden auf rd. 30 Mio Tonnen geschätzt, was zu einer Reichweite von über 100.000 Jahren führt. Das bei der Fusion freigesetzte Neutron trifft, nachdem es seine Energie abgegeben hat, im Blanket des Fusionsreaktors auf Lithium-6, wobei jeweils ein Tritiumatom entsteht. Um unvermeidliche Verluste auszugleichen, ist außerdem ein Material (Beryllium oder Blei) anwesend, das mittels einer (n,2n)-Kernreaktion zusätzliche Neutronen liefert.

Rückbau

Am Ende der Laufzeit eines Kernfusionskraftwerks erfolgen Stilllegung und Rückbau. Der Aufwand dafür ist ähnlich hoch wie bei Kernspaltungskraftwerken, weil viele Bauteile radioaktiv sind, getrennt und entsprechend ihrer Halbwertszeit gelagert werden müssen.

Wirtschaftliche Zukunftsperspektive

Das deutsche bis 2050 für möglich, falls Strom sehr effizient genutzt und erzeugt würde.

Wirtschaftlichkeit

Die hervorgegangen ist, von Betriebskosten in Höhe von 1,7 Cent pro Kilowattstunde ausgegangen wird.

Allerdings geraten auch abgeschriebene Kernkraftwerke in Märkten, in denen die Strompreise infolge aktueller wirtschaftlicher Entwicklungen wie des '', 20. Januar 2014. Abgerufen am 8. Juni 2014.</ref>

Bei Neubauten sorgen neben eventuellen steigenden '', 8. November 2013. Abgerufen am 8. Juni 2014.</ref>

Über die Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit von künftigen Kernfusionskraftwerken lässt sich heute noch nichts Verbindliches aussagen, da weder die tatsächlichen Baukosten für ca. 2045 noch die dann geltenden Preise der konkurrierenden Stromerzeugungsmethoden noch die dann geltenden Strompreise vorhersagbar sind und in den verschiedenen Ländern unterschiedliche staatliche Maßnahmen (Förderung oder Steuern) Einfluss darauf haben können.

Stromgestehungskosten und Wettbewerbsfähigkeit

Die : ''Fukushima, Europe, and the Authoritarian Nature of Nuclear Technology.'' In: ''Environmental History.'' 17, April 2012, S. 279.</ref>

Konstantin schätzte 2009 die spezifischen Investitionskosten für Kernkraftwerke als mehr als doppelt so hoch ein wie die großer Braunkohlekraftwerke.

Bis 2014 sind die Investitionskosten der in Bau befindlichen EPR gegenüber den ursprünglichen Planungen deutlich angestiegen: Sowohl beim Reaktor der Staat zu 65?Prozent für die Baukosten.<ref name="Carsten Volkery 2013">Carsten Volkery: ''Kooperation mit China: Großbritannien baut erstes Atomkraftwerk seit Jahrzehnten.'' In: ''Spiegel online.'' 21. Oktober 2013.</ref>

Da weltweit unterschiedliche Reaktortypen verschiedener Hersteller mit uneinheitlichen Sicherheitsstandards errichtet werden, müssen die Kosten des EPR nicht notwendigerweise repräsentativ für alle derzeit in Bau befindlichen Kernkraftwerke sein. Bei dem in den USA in Bau befindlichen von 1,35 zu 1.

Infolge dieser Preissteigerungen bei diversen Kraftwerksprojekten wird die betriebswirtschaftliche Rentabilität der Kernenergie daher bereits seit einigen Jahren insbesondere in liberalisierten Märkten infrage gestellt und mehrere Kraftwerksprojekte beendet. Der Neubau von Kernkraftwerken beschränkt sich aktuell daher weitestgehend auf Staaten, in denen staatliche Betreiber das Risiko der Projekte tragen.<ref name="Von wegen Renaissance">''Von wegen Renaissance der Atomkraft''. In: ''Frankfurter Allgemeine Zeitung'', 6. Februar 2010. Abgerufen am 8. Juni 2014.</ref> Nach Neles und Pistner werden aktuell neue Kernkraftwerke nur dort realisiert, in denen bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Diese sind:

  • die Zahlung staatlicher Gelder wie beispielsweise in den USA
  • ein Strommarkt, der nicht wettbewerblich organisiert ist, wie z.?B. in Frankreich, Russland oder China
  • wo Interesse am Bau eines Prototyps besteht, dessen finanzielles Risiko nicht beim Betreiber, sondern beim Hersteller liegt, wie z.?B. in Finnland<ref name="Neles 216">Julia Mareike Neles, Christoph Pistner (Hrsg.): ''Kernenergie. Eine Technik für die Zukunft?'' Berlin/ Heidelberg 2012, S. 216.</ref>

Auch Uekötter verweist darauf, dass ein weiterer Zubau der Kernenergie heute vor allem in autoritär geführten Staaten stattfindet, wo die Gesetze des Marktes nicht zum Tragen kommen und zudem die Mitbestimmung der Bevölkerung gering ist.

Die relative Wettbewerbsfähigkeit der Kernenergie ist schwer zu bestimmen, da kaum valide Vergleichsdaten vorliegen und auch historische Daten kein klares Bild vermitteln. Dazu kommt, dass die Kernenergie weltweit in allen Nutzerländern von staatlicher Seite sehr umfangreich gefördert wurde.<ref name="Neles 216" /><ref name="FAZ Renaissance">''Forscher stellen Ökostrom ein gutes Zeugnis aus''. In: ''Frankfurter Allgemeine Zeitung'', 17. Juli 2013. Abgerufen am 8. Juni 2014.</ref> Diese Subventionen flossen auf verschiedenen Wegen in die Kernenergie und waren teilweise in technischen Details versteckt, wobei nach Uekötter insbesondere die Vermischung mit der militärischen Nutzung der Kernenergie wichtig war. Es sei jedoch sicher, dass die Kernenergienutzung ohne die massiven staatlichen Hilfen ?keine Chance? gehabt habe.<ref name="Uekötter 279">Frank Uekötter: ''Fukushima, Europe, and the Authoritarian Nature of Nuclear Technology.'' In: ''Environmental History.'' 17, April 2012, S. 279.</ref>

Herrschte in den 1950ern und 1960er Jahren in bestimmten Kreisen eine wahre Atomeuphorie, so kippte diese Stimmung in den 1970er Jahren, als sich zeigte, dass die Wirtschaftlichkeit der realisierten Kernkraftwerke deutlich schlechter war als man bis dahin geglaubt hatte.

Nach (Hrsg.): ''Die Technik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart.'' Braunschweig 1982, S. 396.</ref> In Westeuropa und Kanada boten Kernkraftwerke nach den französischen Autoren Debeir/Deléage/Hémery Mitte der 1980er Jahre einen Kostenvorteil gegenüber Kohlekraftwerken, während in den USA die Konkurrenzfähigkeit erreicht war, jedoch sich die Kohlestromerzeugung gegenüber der Kernenergie weiter verbilligte. Großer Einfluss wurde hierbei einerseits der Entwicklung der fossilen Brennstoffpreise zugeschrieben, während die Autoren andererseits betonten, dass sich bereits in den 1970er Jahren die Bauzeiten amerikanischer Kernkraftwerke von sechs auf zehn Jahre verlängerten und parallel dazu die Baukosten der Kernkraftwerke immer weiter anstiegen.

Mit der immer offensichtlicher werdenden Globalen Erwärmung kam es im 21. Jahrhundert vor dem Hintergrund ihrer nur geringen CO2-Emissionen zu einer erneuten Debatte um die Nutzung der Kernenergie, der bisher jedoch nur eine sehr geringe Bautätigkeit folgte. Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima sind zudem durch erhöhte Sicherheitsmaßnahmen höhere Gestehungskosten zu erwarten.

Kritiker halten die Kernenergie heutzutage für unwirtschaftlich, weil die hohen Kapitalkosten durch die niedrigen Brennstoffkosten nicht aufgewogen werden könnten. Zudem wurden in der Vergangenheit oft Entsorgungsaufwände nicht den verursachenden Stromkonzernen in Rechnung gestellt, sondern vom Staat bezahlt. Kosten für die Kernenergie in Deutschland werden in Milliardenhöhe durch den Staat übernommen z.?B. für die Stilllegung von Forschungsreaktoren oder die Sanierung von Forschungsendlagern wie die Asse. In einer Studie der Citibank wurde der Neubau von Kernkraftwerken ohne staatliche Subventionierung als zu risikoreich und wirtschaftlich nicht darstellbar festgestellt: ?''New Nuclear ? The Economics Say No''?.

Ausweislich einer Analyse der Hertie School of Governance zu Großprojekten in Deutschland fielen beim Bau von Offshore-Windparks deutlich weniger Mehrkosten an als bei den historisch errichteten Atomkraftwerken. Fallstudien zum Bau von acht Offshore-Windparks und sechs Atomkraftwerken zeigten, dass bei Windparks trotz erheblicher Planungsrisiken deutliche Lerneffekte zu verzeichnen waren; in der Folge waren die Mehrkosten der Offshore-Windparks um 20 % höher als ursprünglich veranschlagt, bei den Atomkraftwerken jedoch dreimal höher. Lerneffekte konnten dabei im Fall der Atomkraftwerke nicht festgestellt werden.

Eine weitere Studie kam 2010 zu dem Ergebnis, dass die Gesamtkosten für Solarstrom unterhalb der Stromgestehungskosten aus neuen Kernkraftwerken lägen. Eventuell anfallende Kosten für die Speicherung des Solarstroms und die erforderliche Regelleistung wurden dabei allerdings nicht berücksichtigt.

Volkswirtschaftliches Schadensrisiko und unzureichende Haftpflichtversicherung

Im Falle eines nuklearen Unfalls sind in Deutschland die Folgekosten bis zu einer Höhe von 2,5 Mrd. ? im Rahmen der Haftpflicht versichert. Die Summe ist im Atomgesetz festgelegt. Darüber hinaus haften die Betreiber mit ihrem ganzen Vermögen für weitere Kosten. Das Handbuch ''Europäisches Atomrecht. Recht der Nuklearenergie.'' hält fest:

{{Zitat

 |Text=Der Vorteil der Haftungsbegrenzung besteht für den Betreiber einer nuklearen Anlage darin, eine wirtschaftliche Planung vornehmen zu können. Damit soll auch gewährleistet sein, dass nukleare Aktivitäten stattfinden. Es ist allen Fachleuten klar, dass im Falle eines nuklearen Unfalls die Haftungsbegrenzungen nicht ausreichen, und die einzelnen Staaten öffentliche Gelder dazu verwenden müssen, um die entstanden Schäden zu ersetzen.
 |Autor=
 |Quelle=Wolf Georg Schärf: ''Europäisches Atomrecht. Recht der Nuklearenergie.'' Berlin 2012, S. 65.}}

Eine französische Regierungsstudie, die vom französischen Institut für Strahlenschutz und nukleare Sicherheit (IRSN) erstellt wurde, veranschlagt die volkswirtschaftlichen Schäden eines katastrophalen Unfalls in einem französischen Kernkraftwerk auf 430?Mrd. ?, was einem Viertel der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes entspricht. Bei privaten Versicherungen der Bürger (Hausratversicherung, Gebäudeversicherung) werden Risiken aus Kernenergie generell ausgeschlossen.

Auch wer die Kosten für den Rückbau stillgelegter Kernkraftwerke bei Insolvenz der Betreiber trägt, ist offen. Im Entwurf der Arbeitsgruppe Umwelt für den Koalitionsvertrag von Union und SPD heißt es:
?Zur Sicherstellung der Finanzierung der nuklearen Entsorgung könnte ein öffentlich-rechtlicher Fonds in Betracht kommen?.
Die Koalitionäre erwägen, die Rückstellungen der AKW-Betreiber für Stilllegung und die Endlagerung in einem solchen Fonds zu bündeln. Befürchtet wird, dass der Staat im Fall von Insolvenzen für Kosten aufkommen müsste. Bislang konnten e.on, RWE, EnBW und Vattenfall 32,6 Milliarden Euro Rückstellungen bilden und das Geld sofort in Kraftwerke und Netze investieren. Staatlich kontrollierte Fonds werden schon seit längerem gefordert.

Strompreis in Deutschland

Laut einer Studie des ISE, die von der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen in Auftrag gegeben wurde, sind Atomkraftwerke in Zeiten negativer Börsenstrompreise mit bis zu 96 % der installierten Leistung gefahren worden. Die minimale Auslastung lag bei 49 %. Die Studie kommt daher zu dem Schluss, dass bei Atomkraftwerken eine feinstufige, dem Bedarf angepasste Abregelung anhand der untersuchten Daten nicht festzustellen ist.<ref name="Fraunhofer Kohleverstromung"> (PDF; 1,9?MB). Fraunhofer ISE. Abgerufen am 20. Mai 2014.</ref>

Eine Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke wäre nach Darstellung des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv) kein Mittel, den Strompreis für den Privatverbraucher spürbar zu senken. Für einen Durchschnittshaushalt würde die monatliche Stromrechnung durch weiteren Bezug von Strom aus Kernenergie im Schnitt um ?gerade einmal 50?Cent pro Monat? abnehmen.

Unvollständiger Wettbewerb

Auf den europäischen Strommärkten herrscht trotz aller Bemühungen um Liberalisierung und Regulierung unvollständiger Wettbewerb, der zu überhöhten Preisen führt. Dies gilt vor allem auch für die Verhältnisse in Deutschland. Im Kraftwerksbereich dominieren hier die vier großen Unternehmen RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall, auf die rund 85 % der gesamten Kapazitäten entfallen.<ref name="diw_lang" />

Kapitalintensive Kraftwerkstypen wie Kernkraftwerke, die auch große Energiemengen produzieren, sichern ihren Betreibern dabei eine starke Position auf dem Markt. Für den deutschen Strommarkt liegen mehrere aktuelle Studien vor, die den Einfluss unvollständigen Wettbewerbs empirisch belegen.<ref name="diw_lang" /> Der Einfluss durch die marktbeherrschende Stellung der großen Energiekonzerne auf den Börsenpreis von Strom wird dabei mit etwa 0,69 ct/kWh<ref name="diw_lang" /> angegeben.

Die Mehreinnahmen durch die Kernenergie aufgrund des unvollständigen Wettbewerbs werden im Jahr 2003 mit 1,8 Mrd. Euro angegeben.<ref name="diw_lang" />

Staatliche Regulierung

Rechtsgrundlagen

Die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) soll die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der friedlichen Nutzung der Kernenergie und der Anwendung radioaktiver Stoffe fördern und gleichzeitig den Missbrauch dieser Technologie (insbesondere die Proliferation von Kernwaffen) durch Überwachungsmaßnahmen verhindern. Diverse internationale Verträge wie der ''Atomwaffensperrvertrag'' und das ''Atomhaftungsübereinkommen'' geben entsprechende Richtlinien vor.

In Deutschland ist die Rechtsgrundlage der zivilen Verwendung der Kernenergie das deutsche ''Atomgesetz'' (Gesetz über die friedliche Verwendung der Kernenergie und den Schutz gegen ihre Gefahren).

In der Schweiz war bis 2005 das schweizerische Atomgesetz (Bundesgesetz über die friedliche Verwendung der Atomenergie) Rechtsgrundlage, seither ist es das ''Kernenergiegesetz''.

In Österreich dagegen gibt das ''Bundesverfassungsgesetz für ein atomfreies Österreich'' dem Verbot der kommerziellen Nutzung von Kernreaktoren nach einem nationalen Referendum seit 1999 Verfassungsrang.

Weitere Verordnungen, wie die ''Atomrechtliche Deckungsvorsorge-Verordnung (AtDeckV)'', setzen internationale Richtlinien in Deutschland um. Die Deckungsvorsorge für ein Kernkraftwerk beträgt 2,5 Milliarden Euro, die zu einem Teil als Haftpflichtversicherung und zum anderen Teil als Solidarvereinbarung unter den Kernkraftwerksbetreibern abgesichert sind.

Die Haftungshöchstgrenze bei Schäden, die unmittelbar auf Handlungen eines bewaffneten Konfliktes, von Feindseligkeiten, eines Bürgerkrieges, eines Aufstandes oder auf eine schwere Naturkatastrophe außergewöhnlicher Art zurückzuführen sind, liegt bei ebendiesen 2,5 Milliarden Euro. Für Schäden aus anderen Ursachen haften die Betreiber theoretisch unbegrenzt, de facto ist die Haftung durch das Eigenkapital der Betreiber begrenzt. Andere Versicherungen, wie z.?B. Kasko-Autoversicherungen, schließen die Abdeckung von Schäden, die durch Kernenergieunfälle verursacht werden könnten, in aller Regel ausdrücklich aus.

Subventionen und andere Förderungen

Die Kernenergie wurde sowohl in Deutschland als auch weltweit umfangreich staatlich subventioniert.<ref name="Neles 216" /><ref name="FAZ Renaissance" /><ref name="Uekötter 279" />

Europäische Union

Seit der Gründung der Europäischen Atomgemeinschaft 1957 wird die Kernenergie politisch und wirtschaftlich gefördert. Für die Durchführung des siebten Rahmenprogramms im Zeitraum 2007?2011 standen nach Angaben der EU-Kommission Mittel in Höhe von insgesamt 3 Milliarden Euro zur Verfügung. Im Dezember 2011 wurde beschlossen, infolge der Verteuerung des Fusionsreaktors ITER zusätzlich 1,3 Mrd. Euro für die Fusionsforschung in den Jahren 2012 und 2013 bereitzustellen.<ref name="EP" /> Die Gelder stammen aus Haushaltsmitteln der Jahre 2011?2013.

Nach Angaben des Informationsdienst dpa Insight EU wird die Subvention der Kernenergie in den EU-Staaten einem internen Bericht der EU-Kommission zufolge im Jahr 2011 auf 35?Mrd. Euro geschätzt, verschiedenen Medien greifen diese Zahl auf. Demnach lagen die Subventionen der Kernenergie höher als die Subventionen für Erneuerbare Energien (30 Mrd.) und für fossile Energien (26 Mrd.); für Effizienzmaßnahmen wurden 15?Mrd. ausgegeben.

Da derzeit (2012) kaum Unternehmen bereit sind, die sehr hohen Investitionskosten beim Bau von Kernkraftwerken zu tragen, fordern laut .'' 13. April 2012, Abgerufen am 13. April 2012.</ref>

Deutschland

In Deutschland war die Kernenergie die erste Technologie, die mit umfangreichen staatlichen Fördergeldern vorangetrieben wurde, ohne dass ein konkreter Bedarf bestanden hätte. In den 50er Jahren, zu Zeiten der Atomeuphorie, galt ihre Nutzung schlichtweg als selbstverständlich.

Am 21. Oktober 1955 wurde Franz Josef Strauß Minister im neugegründeten Bundesministerium für Atomfragen. Ziel dieses Ministeriums war die Einführung der Kernenergie, ihre Förderung und die Schaffung der gesetzlichen
Grundlagen hierfür.<ref name="Neles Pistner S. 5">Julia Mareike Neles, Christoph Pistner (Hrsg.): ''Kernenergie. Eine Technik für die Zukunft?'' Berlin/ Heidelberg 2012, S. 5.</ref> 1957, ein Jahr vor Verabschiedung des Atomgesetzes, wurde von staatlicher Seite die Reaktorplanungen vorangetrieben. Entwickelt und gebaut werden sollten die Reaktoren von Konzernen, während der Staat Verlustbürgschaften und umfangreiche Investitionshilfen gewährte.<ref name="Neles Pistner S. 5" /> Gebaut wurden letztendlich jedoch nur zwei Reaktoren, während die bisher aufgewendeten Fördergelder in Milliardenhöhe in den Aufbau von Entwicklungsabteilungen flossen.

Am 13. November 1960 ging das Kernkraftwerk Kahl als Versuchsreaktor mit 15?MW in Betrieb, mit US-amerikanischer Reaktortechnik von General Electric. Die Förderung wird in Deutschland mit rund 2000?Euro/kW installierter Leistung angegeben.<ref name="Neles 216" />

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kam in einer Studie aus dem Jahr 2007 zu dem Ergebnis, dass sich allein die deutschen Ausgaben des Bundes und der Länder für nukleare Energieforschung und -technologie von 1956 bis zum Jahr 2006 auf mindestens 50?Mrd. Euro belaufen.<ref name="diw_lang" /> Nicht enthalten sind darin unter anderem öffentliche Ausgaben für die innerdeutsche Uranerzbergbausanierung (6,6?Mrd.??) und Anteile an Stilllegung/Rückbau kerntechnischer Anlagen (2,5?Mrd.??).<ref name="bee"> (PDF; 23?kB) Bundesverband Erneuerbare Energie e.?V., abgerufen am 13. Januar 2011.</ref>

Addiert man diese Kosten und bezieht sie auf die bis Ende 2006 mittels Kernenergie erzeugte Strommenge von rund 4100 TWh,<ref name="diw_lang" /> ergibt sich eine durchschnittliche Unterstützung von 1,5 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh). Betrachtet man nur die im Jahr 2006 wirksame Summe aller quantifizierten Effekte (soweit Angaben vorliegen, einschließlich vereinigungsbedingter Lasten und internationaler Projekte) zur Förderung der Kernenergie, beträgt die Geldmenge 3,7 Mrd. Euro (Währungswert von 2006).<ref name="diw_lang">Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung: aufgerufen 1. Juli 2013.</ref>

2010 erstellte das sowie die Sanierung der Uranbergbauanlagen in der ehemaligen DDR. Zudem wäre sie laut Greenpeace um bis zu 2,70?Euro pro kWh teurer, falls bei Kernkraftwerken die gleichen Haftungsregeln gelten würden wie in allen anderen Wirtschaftsbereichen.

In dieser weitgehenden Befreiung von einer Haftpflichtversicherung sehen die beiden Volkswirtschaftler Peter Hennicke und Paul J. J. Welfens eine versteckte Subvention der Atomstromwirtschaft, die ?absurde Investitionsanreize schafft, den Wettbewerb in der Strom- bzw. Energiewirtschaft grotesk verzerrt und völlig unnötige Risiken für Milliarden Menschen befördert?. So übertreffe die ?Schattensubvention? bei Atomstrom prozentual alle anderen Sektoren der Wirtschaft. Zum gleichen Ergebnis kommen Radkau und Hahn, die im Verzicht auf eine ausreichende Haftpflichtversicherung die entscheidende Subventionierung der Kernenergie sehen, welche die Kernenergienutzung überhaupt erst ermöglichte.<ref name="Joachim Radkau 2013" />

Nach Berechnungen von Finanzmathematikern würde eine Haftpflichtpolice für ein Atomkraftwerk 72?Mrd. Euro jährlich kosten. Der Strompreis eines Atomkraftwerks könnte damit auf mehr als das Vierzigfache steigen.

Für den Rückbau von Kernkraftwerken müssen die Betreiber in Deutschland (und in der Schweiz) eine Rückstellung von etwa 500 Millionen Euro je Kraftwerk bilden. Diese Rückstellungen bleiben in Deutschland über den gesamten Zeitraum steuerfrei und dürfen auch investiert werden, um zum Beispiel Unternehmensbeteiligungen zu erwerben oder am eigenen Kraftwerk eingesetzt werden.

Im Mai 2014 wurden Pläne der drei deutschen Kernkraftwerksbetreiber E.on, EnBW und RWE publik, ihre Kernkraftwerke in eine neu zu gründende und in Staatsbesitz befindliche Stiftung abgeben zu wollen. Diese soll die Kernkraftwerke bis zu ihrem Laufzeitende betreiben und anschließend als sog. '', 11. Mai 2014. Abgerufen am 11. Mai 2014.</ref>

Eine Analyse des Handelsblatts kam 2015 zu dem Schluss, dass Atomkraft "die wahrscheinlich größte und schlechteste Investition in der Geschichte der Bundesrepublik" war.

Frankreich

In Frankreich erteilte Premierminister François Fillon im Mai 2011, neun Wochen nach dem Beginn der Nuklearkatastrophe von Fukushima, dem Obersten Rechnungshof in Frankreich den Auftrag, die Kosten der Kernenergie und des erzeugten Stroms zu ermitteln. Der Rechnungshof legte den Bericht am 31. Januar 2012 vor. Damit wurde erstmals versucht, alle französischen Forschungsaufwendungen auf dem Gebiet der Stromerzeugung aus Kernenergie seit 1957 zu ermitteln.
Demnach kosteten die Erforschung, Entwicklung sowie der Bau der 58 französischen Kernkraftwerke insgesamt etwa 188?Mrd. Euro (in Kaufkraft von 2010). Diese Kosten konnten durch den Verkauf der Elektrizität bislang zu etwa 75 % amortisiert werden (Zusammenfassung, S. 12 unten).

Allerdings wurden bislang für .'' 1. Februar 2012. Abgerufen am 4. Februar 2012.</ref>

Der französische Industrieverband Uniden forderte im März 2014 von der französischen Regierung eine Preisbegrenzung für Atomstrom, da die Stromkosten für große industrielle Abnehmer in Deutschland bald um 35 % niedriger lägen als in Frankreich.

Großbritannien

In Großbritannien wurde für das neue Kernkraftwerk Hinkley Point C eine auf 35 Jahre garantierte Einspeisevergütung in Höhe von 92,5 Pfund/MWh (ca. 11,2 Cent/kWh) plus einem jährlichen Inflationsausgleich von der Regierung zugesagt. Dies ist etwa das Doppelte des derzeitigen englischen Börsenstrompreises und liegt unterhalb der Einspeisevergütung für große Photovoltaik- und Offshore-Windkraftanlagen und oberhalb von Onshore-Windkraftanlagen.<ref name="Carsten Volkery 2013" />

Vereinigte Staaten

Die Atomic Energy Commission (AEC) wurde 1946 gegründet und war bis 1974 die zentrale Behörde für die Forschung und Entwicklung der Nutzbarmachung atomarer Energie. 1977 wurden ihre Aufgaben auf das Energieministerium der Vereinigten Staaten übertragen.

Der 2005 verabschiedete Energy Policy Act beinhaltete Subventionen und staatliche Garantien, um die Kernenergie auszubauen. Aufgrund dieses Gesetzes wurden 32 Anträge für den Neubau von Reaktoren bei der Nuclear Regulatory Commission bis Januar 2008 eingereicht.

Umweltaspekte

Vergleich mit anderen Kraftwerksarten

Auf der Datenbasis von 2001 lagen die spezifischen s aus dem Jahr 2005 produzierten Kernkraftwerke während ihres gesamten Lebenszyklus (Herstellung, Betrieb, Rückbau) ähnlich wenig CO2 wie Windenergie und weniger als Photovoltaik.

Die Schwefeldioxid-Emissionen liegen bei 3 Tonnen pro Terawattstunde und deutlich günstiger als bei Öl (8013?t/TWh) und Kohle (5274?t/TWh). Windkraft lag 2001 bei 69?t/TWh, Photovoltaik bei 24?t/TWh. Die niedrigsten Emissionen hat die Fluss-Wasserkraft mit 1?t/TWh.<ref name="LCA" />

Die direkten Flächenansprüche der Kernenergie liegen bei 0,5 Quadratkilometern pro Terawattstunde. Windkraft lag 2001 bei 72?km²/TWh (hier wurde die (zum größten Teil weiter nutzbare) Abstandsfläche zwischen den Anlagen berücksichtigt, nicht die reine Standfläche), Photovoltaik bei 45?km²/TWh (ohne Berücksichtigung, dass in der Realität hauptsächlich schon bebaute Flächen/Dächer genutzt werden). Die Kernenergie hat bei dieser Betrachtung von allen Energieformen die geringsten Flächenansprüche.<ref name="LCA" />

Der von 91,3 % angenommen (2009: gemittelt 74,2 % in Deutschland).

Kohlenstoffdioxid-Emissionen

Kernspaltungs- und Kernfusionskraftwerke erzeugen im laufenden Betrieb kein CO<sub>2</sub>. Jedoch ist der Energieeinsatz bei der Herstellung der Kraftwerke, bei ihrem Betrieb (bei Kernspaltungskraftwerken einschließlich Brennstoffbeschaffung und Abfallentsorgung) und bei ihrem Abriss grundsätzlich mit CO2-Freisetzungen verbunden. Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages<ref name="WD8">Summarische Darstellung der verschiedenen Bilanzen von SZ, WNA und Ökoinstitut nach </ref> wertet 2007 verschiedene Quellen aus, die zwischen 6 und 126 Gramm CO2 pro erzeugter kWh Strom nennen. Elektrischer Strom aus Kohlekraftwerken liegt bei etwa 950?g/kWh (Steinkohne) und 1150?g/kWh (Braunkohle). Der wissenschaftliche Dienst kommt angesichts der Abschätzungsunsicherheiten zum Ergebnis "diverse Formen der erneuerbaren Energien, aber auch die Kernkraft" gehören zur "Spitzengruppe" der CO2-armen Energieträger.

Die insgesamt über den gesamten Lebenszyklus freigesetzte CO2-Menge ist bei Kernkraftwerken also deutlich geringer als bei Erzeugung der gleichen Strommenge mittels konventioneller (fossil gefeuerter) Kraftwerke. Ähnliche CO2-Reduktionsfaktoren können mit Windkraft- und Wasserkraftwerken erreicht werden, während andere Erneuerbare Energien, insbesondere die Fotovoltaik, nur etwas kleinere CO2-Reduktionsfaktoren erreichen.

Die CO2-Emissionen bei Kernspaltungsenergie hängen vom Urangehalt des Erzes ? pro Tonne Uranoxid fallen derzeit zwischen 1.000 und 40.000 Tonnen Abraum an ? und dem gewählten Verfahren der Urananreicherung ab. Die Begrenztheit des Urans bedingt, dass zunehmend Erze mit immer geringerem Urangehalt als Brennstoffe aufbereitet werden. Damit steigen bei Verwendung nicht CO2-neutraler Energiequellen für Uranabbau und -anreicherung die CO2-Emissionen pro kWh Strom. Zu bedenken ist, dass keine der Studien vollständig die CO2-Emissionen vor und während der Stromerzeugung sowie danach, bei Entsorgung und Lagerung, bilanziert. Weiter ist anzumerken, dass keine der zitierten Studien die Verbesserung der Abbrandparameter neu konzipierter Kernkraftwerke, wie z.?B. des EPR, berücksichtigt, die zu einer Senkung des Uraneinsatzes bei gleichbleibender Leistung führen soll.

Nicht alle Kraftwerke erzeugen im Betrieb CO2, jedoch entsteht bei der Herstellung, beim Betrieb und bei ihrem Abriss grundsätzlich auch klimaschädliches CO2. Die insgesamt (über den gesamten Lebenszyklus) freigesetzte Menge ist sehr unterschiedlich, wie die folgende Tabelle zeigt. Die rot unterlegten Felder zeigen, dass in Deutschland die Kohlekraftwerke nur 47 % der gesamten elektrischen Energie erzeugen, aber 80 % des dabei erzeugten Kohlendioxids verursachen. Der CO2-Anteil, den Kernkraftwerke bei 22,6 % Stromerzeugungsanteil indirekt beitragen, ist mit 0,7 % sehr gering. In den beiden rechten Spalten ist die aktuelle Verteilung im Nachbarland Frankreich gegenübergestellt.

Kernfusionskraftwerke werden weder beim Betrieb, noch bei der Brennstoffgewinnung und -Aufarbeitung CO2 erzeugen, jedoch bei ihrem Bau und Rückbau (vergleichbar mit Kernspaltungskraftwerken).

{| class="wikitable"
|+ Vergleich Deutschland und Frankreich (Quellen: Süddeutsche Zeitung 2007,<ref name="WD8" /> Bundesministerium BMWI, World Nuclear Association)
|-
! Kraftwerksart
! CO2-Emissionen pro kWh in Gramm<ref name="BWK">''CO2-Emissionen der Stromerzeugung-Ein ganzheitlicher Vergleich verschiedener Techniken.'' (PDF; 1,7?MB) Fachzeitschrift BWK Band 59, Nr. 10, 2007, abgerufen am 13. Jan. 2011.</ref>
! Anteil an der gesamten Bruttostromerzeugung (2015) in Deutschland
! Anteil an der CO2-Erzeugung aller Kraftwerke in Deutschland
! Anteil der gesamten elektr. Energie (2007) in Frankreich
! Anteil an der CO2-Erzeugung aller Kraftwerke in Frankreich
|-
| Wasserkraft
| 10?40
| 3,0 %
| 0,06 %
| </ref>
| 1,2 %
|-
| Windenergie
| 10?40
| 13,5 %
| 0,12 %
| 0 %
| ?
|-
| Kernkraftwerk (Kernspaltung)
| 10?30
| 14,1 %
| 0,7 %
| 86,6 %<ref name="EDF 120205"></ref>
| 27,8 %
|-
| Photovoltaik
| 50?100
| 5,9 %
| 0,1 %
| 0 %
| ?
|-
| Erdgas
| 400?550
| 9,1 %
| 8,1 %
| ?
| ?
|-
| Erdöl
| 890<ref name="WD8" />
| ?
| 1,9 %
| ?
| ?
|-
| Steinkohle
| 790?1080
| 18,1 %
| style="background-color:#fedbca;"|35,3 %
| </ref>
| 71 %
|-
| Braunkohle
| 980?1230
| 23,8 %
| style="background-color:#fedbca;" | 44,9 %
| ?
| ?
|-
| andere (Müll, Biomasse, ?)
|

| 12,5 %
| 8,9 %
| ?
| ?
|-
| ''Strom-Mix in Deutschland (2007)''
| ''604''
| ?
| ?
| ?
| ?
|}

Welche Einsparungen durch politische Vorgaben möglich sind, zeigt der Vergleich der liegt Frankreich etwa um ein Drittel niedriger als Deutschland (2008).

{| class="wikitable"
! Staat
! Gesamterzeugung
aller Kraftwerke
in TWh
! Strom-Mix g pro kWh
! Gesamt-CO2
in Milliarden?kg
! Anzahl der großen fossil-
thermischen Kraftwerksblöcke
! Anzahl der
Kernkraftwerksblöcke
|-
| Deutschland
| 636,5
| 604
| class="hintergrundfarbe4"|384
| ?70
| 17
|-
| class="hintergrundfarbe3"|Frankreich<ref name="EDF 120205" />
| 610,6<ref name="EDF 120020"></ref>
| 61
| class="hintergrundfarbe3"|37
| 15
| 58
|}

Unfallgefahr (Risiko einer Kernschmelze)

In der ersten ?Deutschen Risikostudie? aus dem Jahr 1979, erstellt durch die Gesellschaft für Reaktorsicherheit, werden mögliche Unfallfolgen von bis zu 14.500 Soforttoten und 104.000 späteren Todesfällen angegeben. Auch könnte laut der Gesellschaft für Reaktorsicherheit eine Fläche von bis zu 5600 Quadratkilometern so stark kontaminiert werden, dass 2,9 Millionen Menschen evakuiert und umgesiedelt werden müssten. In der Risikostudie Phase B wurde für den Druckwasserreaktor Biblis B eine Wahrscheinlichkeit für einen Unfall mit Kernschmelze von 3,6 · 10?? pro Jahr ermittelt. Das entspricht in etwa einem Unfall alle 280.000 Betriebsjahre. Der Erwartungswert liegt damit bei knapp 0,5 Toten/Betriebsjahr.

Bei der Katastrophe von Tschernobyl, dem bis dahin größten Nuklearunfall der Geschichte, wurden 1986 große Landflächen ? auch in Deutschland ? mit radioaktiven Nukliden kontaminiert. Knapp 50 Menschen sind an den Folgen der hohen Strahlung gestorben. Die Prognose der Todesfälle infolge von durch die Strahlung induzierten Krebs beinhaltet große Unsicherheiten, die Schätzungen von Weltgesundheitsorganisation und Internationaler Atomenergie-Organisation bewegen sich in der Größenordnung von insgesamt 9000 zusätzlichen Todesfällen.

Die Schäden eines Unfalls mit erheblicher Freisetzung von Radioaktivität bezifferte eine Studie der Prognos AG 1992 mit 5 bis 12 Billionen DM (2,6 bis 6,1 Billionen ?), entsprechend dem drei- bis vierfachen des damaligen jährlichen deutschen Bruttosozialproduktes.<ref name="prognos"> Studie der Prognos AG Basel von 1992. 1 Billion = 1.000 Milliarden</ref>
Da ein solcher Unfall in Deutschland nur einmal in rund 1700 Jahren zu erwarten ist, beträgt der ?Schadenserwartungswert? demnach 6,4 Milliarden Mark (3,3 Mrd. ?) pro Jahr, oder 4,3 Pfennig (2 Cent) je Kilowattstunde Atomstrom.<ref name="prognos" />

Im Mai 2012 erschien eine Studie des Max-Planck-Instituts für Chemie, nach der das Risiko katastrophaler Kernschmelzen wie in Tschernobyl und Fukushima wesentlich höher ist als bisher abgeschätzt,

Der chinesische Physiker He Zuoxiu prophezeite im Herbst 2015 mit statistischen Methoden für sein Land einen Atomunfall in seinem Land bis 2030 als ?sehr wahrscheinlich? und bis 2050 ?fast unvermeidlich?.

Belastungen durch den Uranbergbau

Der Abbau von Uran ist mit negativen Umwelteinflüssen verknüpft, die sowohl während des , die in der Geschichte des Uranbergbau zu vermehrten (Lungen-) Krebsfällen geführt hat. Von Atomkraftgegnern wird kritisiert, dass die CO2-Emissionen im Uranbergbau in Betrachtungen zur Ökobilanz der Kernenergie nicht berücksichtigt werden.

In Australien sind . Durch Berichte, medizinische Dossiers und Prozessakten gilt dieser Uranbergbau als der weltweit am besten dokumentierte.

Belastungen aus dem Normalbetrieb

Eine Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz aus dem Jahr 2007 belegt eine statistisch signifikant erhöhte Leukämiehäufigkeit bei Kindern, die weniger als fünf Kilometer von einem Kernkraftwerk entfernt aufgewachsen sind. Danach erkrankten von 1980 bis 2003 im Fünf-Kilometer-Umkreis um die Kernkraftwerke in Deutschland 37 Kinder neu an Leukämie ? im statistischen Mittel wären es 17 Kinder gewesen. Die Ursachen für diese Korrelation sind bis heute nicht geklärt, nach derzeitigem Kenntnisstand ist der Zusammenhang nicht strahlenbiologisch erklärbar.

Über die Interpretation dieses Befundes herrscht keine Einigkeit. Während die Autoren der Studie der Auffassung sind, dass die von deutschen Kernkraftwerken im Normalbetrieb emittierte ionisierende Strahlung wegen der um ein Vielfaches höheren natürlichen Strahlenbelastung nicht als Ursache in Betracht kommt,<ref name="KIKK 2007" /> gelangt das externe Expertengremium des BfS zur KiKK-Studie zur Überzeugung, dass aufgrund des besonders hohen Strahlenrisikos für Kleinkinder sowie der unzureichenden Daten zu Emissionen von Leistungsreaktoren dieser Zusammenhang keinesfalls ausgeschlossen werden kann.

)</ref>

Ungelöste Entsorgung

Die Entsorgung der hoch radioaktiven Brennelemente bzw. der Rückstände aus der Wiederaufarbeitung ist noch immer ungesichert. Weltweit ist mit Stand 2012 kein Endlager für hochradioaktive Stoffe vorhanden.
  • Die Unterschätzung der Aufgabenstellung
  • Sachfremde Erwägungen bei der Aufgabenstellung
  • Mangel an öffentlicher und politischer Akzeptanz der Projekte
  • eine Kontroverse um die grundsätzliche Eignung der Endlagerung mitsamt ihren Risiken zur Bewältigung der Problematik

In Deutschland behilft man sich seit Jahrzehnten mit einer Vielzahl sogenannter Zwischenlager sowie ?Versuchslagern? wie der bekannten Schachtanlage Asse, um die bisher angefallenen radioaktiven Abfälle zu lagern. Am 27. Juli 2013 trat ein neues Standortauswahlgesetz (StandAG) in Kraft, nachdem bis Ende 2015 neue Vorschläge zu Sicherheitsanforderungen sowie zu geologischen Ausschluss- und Auswahlkriterien erarbeitet werden sollen. Erst im Anschluss daran erfolgt eine neue Standortsuche. Weil einige der anfallenden Nuklide sehr große Halbwertszeiten haben (239Pu beispielsweise 24.000 Jahre), sind die Anforderungen im Besonderen an die geologische Langzeitstabilität dementsprechend hoch. Zwar könne die Halbwertszeit durch Wiederaufarbeitung und Transmutation auf wenige hundert Jahre gesenkt werden; dies erhöhe jedoch gleichzeitig die gegenwärtige Strahlenbelastung, die mit solchen Verfahren verbunden sei.

Nach Ansicht diverser Organisationen und Experten sind auch Atommülltransporte wegen möglicher Unfälle nicht sicher. Bei der Wiederaufarbeitung extrahiertes Plutonium könne zur Herstellung von Kernwaffen verwendet werden. Außerdem gäbe es insbesondere zur Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield Medienberichte, dass dort unkontrolliert Radioaktivität ausgetreten sei und die benachbart wohnenden Familien mit einigen Fällen von darauf zurückzuführenden Leukämie-Erkrankungen ihrer Kinder und Senioren konfrontiert seien.<ref name="IEER">IEER: ''Leukemia Clusters Near La Hague and Sellafield.'' (PDF; 5,6?MB; englisch)</ref>

Bis in die 1970er Jahre wurden rund 100.000 Fässer mit radioaktiven Abfällen auf hoher See verklappt, zum Teil in Fischfanggebieten. Die Folgen für Ökologie und menschliche Ernährung sind ungewiss.

Vergleich mit anderen Gefahrenquellen

Die unterschiedlichen Effekte von verschiedenen Formen der Stromerzeugung auf die Gesundheit sind nur schwer zuzuschreiben. Einer Schätzung auf Basis von Daten aus der Europäischen Union zufolge liegt die Zahl der durch Atomkraft verursachten Todesfälle in der Öffentlichkeit in Europa bei 0,003 und bei Beschäftigten im Kernenergiesektor bei 0,019 (jeweils pro erzeugter Terawattstunde). Todesfälle durch Luftverschmutzung aufgrund der Kernenergienutzung liegen bei 0,052, schwere Erkrankungen bei 0,22. Im Vergleich dazu liegt die Zahl der Todesfälle durch Elektrizitätsgewinnung mit Braunkohle bei 0,02 (Unfälle in der Öffentlichkeit), 0,1 (Unfälle bei Beschäftigten), 32,6 (Luftverschmutzung) bzw. 298 (schwere Erkrankungen). Als wesentlichere Probleme der Kernenergie sehen die Autoren deswegen nicht die Luftverschmutzung und den normalen Betrieb, welche vergleichsweise wenige Todesfälle verursachten, sondern eher langfristige Gefahren verbunden mit der Lagerung der nuklearen Abfälle, die militärische Nutzung und die Schäden im Falle eines Unfalls.
Diese Einschätzung wurde auch nach der .</ref>

Gefahren für Frieden und Sicherheit

Proliferation von Kernwaffen ? Missbrauch

Gegner der Kernkraft argumentieren, dass es nicht möglich sei, zivile und militärische Nutzung faktisch zu trennen. Die Kernenergie trage zur Verbreitung von Technologie und Material zur Herstellung von Atomwaffen bei, insbesondere die Anreicherungs- und Wiederaufbereitungsanlagen, bei denen waffenfähiges Plutonium produziert wird. Indien, Nordkorea und Südafrika begannen zivile Atomprogramme mit speziellen Forschungsreaktoren. Ob waffentaugliches Plutonium in diesen hergestellt wurde oder in speziellen Anlagen, ist umstritten. Südafrika gab seine Kernwaffen zwischenzeitlich auf. Der Iran sowie Israel besitzen in jüngster Zeit keine Kernkraftwerke zur kommerziellen Energiegewinnung. Südafrika nahm sein bisher einziges kommerzielles Kernkraftwerk in Betrieb, lange nachdem es Kernwaffen erworben hatte. John Large, ein führender Atomenergie-Experte Großbritanniens, meint: ''Jedes zivile Nuklearprogramm eignet sich per se dazu, ein Waffenprogramm zu verbergen [?] In vielen Bereichen ist die militärische von der zivilen Nutzung kaum zu unterscheiden.''<ref name="spiegel.de">''Experten warnen vor neuen Terrorgefahren durch Atom-Comeback.'' auf: ''Spiegel online.'' 11. Juli 2008.</ref>

Anlagen zur 235Uran-Anreicherung, wie die deutsche Urananreicherungsanlage Gronau, könnten auch zur Herstellung von kernwaffenfähigem Material, mit einem Anteil von 80 % 235U, verwendet werden.

Während der Herstellung nuklearer Brennstäbe muss der Anteil des spaltbaren Uran-Isotops 235 zur Verwendung in den meisten Reaktortypen (nicht aber in Schwerwasserreaktoren und einigen graphitmoderierten Reaktorbauarten) vom natürlichen Anteil von 0,7 % auf etwa 4 % erhöht werden (?Uran-Anreicherung?), damit es in der Lage ist, eine Kettenreaktion hervorzurufen. Kernkraftgegner befürchten, dass Anlagen zur Uran-Anreicherung jederzeit so umgebaut werden könnten, dass man dort waffenfähiges Uran mit etwa 80 % Uran-235-Gehalt produzieren könnte. Die in Wiederaufarbeitungsanlagen eingesetzten Techniken eignen sich prinzipiell auch zur Gewinnung von Plutonium aus abgebrannten Brennstäben, das ebenfalls zur Energiegewinnung in MOX-Brennelementen verwendet werden kann. Die Waffentauglichkeit des gewonnenen Plutoniums sinkt zwar mit zunehmendem Abbrand der Brennelemente. Aber aus Plutonium hoch abgebrannter Brennelemente lässt sich noch ein Nuklearsprengsatz geringerer Effizienz herstellen.

Viele Technologien, die im Zusammenhang mit der zivilen Kernenergie stehen, sind gleichzeitig relevant für die Entwicklung und Herstellung von Kernwaffen. Daher können zivile Kernenergieprogramme, falls es ein Staat so will, als Deckmantel für ein geheimes militärisches Kernwaffenprogramm genutzt werden. Das iranische Atomprogramm ist eines der prominenten Beispiele dafür.<ref name="dfall2009"></ref>

Ein grundlegendes Ziel nationaler und weltweiter Sicherheitsbestreben besteht darin, das Proliferationsrisiko zu minimieren, welches mit der weltweiten Nutzung und dem Ausbau der zivilen Kernenergienutzung einhergeht. Sofern die Entwicklung ?schlecht umgesetzt wird oder die Maßnahmen zur Eindämmung des Poliferationsrisikos fehlschlagen, wird es in Zukunft gefährlich?.<ref name="dfall2009" /> Das Global Nuclear Energy Partnership ist ein Ansatz, um Staaten mit Bedarf nach Kernbrennstoff eben solchen günstig zur Verfügung zu stellen. Als Gegenleistung verpflichten sich die Staaten, auf eigene Programme zur Urananreicherung zu verzichten.

Benjamin K. Sovacool zufolge haben einige ?hohe Offizielle, sogar innerhalb der vereinten Nationen, argumentiert, dass sie wenig unternehmen können, um Staaten davon abzuhalten, Kernreaktoren für die Herstellung von Kernwaffen zu nutzen?. Ein Report der Vereinten Nationen von 2009 besagt:
{{Zitat

 |Text=Das wiedererstarkte Interesse an der Nutzung der Kernenergie könnte zur weltweiten Verbreitung von Technologien zur Urananreicherung und Wiederaufbereitung führen. Dies stellt ein klares Proliferationsrisiko dar, da diese Technologien Spaltmaterial erzeugen können, die direkt in Kernwaffen eingesetzt werden können.|ref=<ref name="bks2011">Benjamin K. Sovacool: ''Contesting the Future of Nuclear Power: A Critical Global Assessment of Atomic Energy.'' In: ''[[World Scientific]].'' 2011, S. 190.</ref>}}

Auf der anderen Seite können Leistungsreaktoren dazu verwendet werden, Kernwaffenarsenale zu reduzieren. Im Zuge des Megatonnen-zu-Megawatt-Programms wurden bisher 425 Tonnen hochangereichertes Uran aus ehemaligen Kernwaffen zu Kernbrennstoff für Reaktoren verarbeitet. Dies entspricht etwa 17.000 Nuklearsprengköpfen. Damit ist dies das bisher erfolgreichste Anti-Proliferationsprogramm.<ref name="thebulletin.org"></ref>

Professor Matthew Bunn meint dazu:
{{Zitat

 |Text=Russland ist nicht weiter daran interessiert, das Programm nach 2013 fortzusetzen. Wir hatten es so eingerichtet, dass es sie mehr kostet und sie weniger davon profitieren, als wenn sie einfach neuen Reaktorbrennstoff herstellen. Es gibt aber andere Möglichkeiten, die das Ganze profitabler machen und auch ihren strategischen Interessen, ihre Nuklearexporte auszuweiten, dienen würde.
 |ref=<ref>

Im April 2012 gab es in 31 Ländern Kernkraftwerke.

Die Entwicklungen von neuen Reaktorsystemen und zugehörigen Brennstoffkreisläufen durch das Generation IV International Forum haben explizit das Ziel, ein Entnehmen von kernwaffenfähigem oder terroristisch einsetzbarem Material so unattraktiv wie möglich zu machen.

Gefahr von Terroranschlägen

Kernkraftwerke gelten als Ziele für terroristische Angriffe, wobei diese Erkenntnisse nicht erst seit den mit einer Masse von 20 Tonnen und Geschwindigkeit von 215?m/s angenommen.

Diskutiert werden mittlerweile auch die Gefahren, die aus einem terroristischen Anschlag mittels eines Großflugzeugs auf ein Kernkraftwerk entstehen.<ref name="Julia Mareike Neles 2012" /> Ein solcher Terroranschlag könnte katastrophale Folgen haben.

Darüber hinaus stellt auch ?Nuklear-Terrorismus?, z.?B. durch Einsatz sog. ?schmutziger Bomben? durch Terroristen ein erhebliches Gefahrenpotenzial dar. Für deren Herstellung würden beliebige radioaktive Abfälle oder das für Kernkraftwerke angereicherte Uran in Frage kommen.<ref name="spiegel.de" />

Kontroverse um die Kernenergie

Die Diskussion um die Kernenergie ist eine gesamtgesellschaftliche Auseinandersetzung über die für zivile Zwecke genutzte Kernspaltung zur Stromgewinnung aus Kernbrennstoffen.
Die Diskussion erlebte in den 1970er und 1980er ihren Höhepunkt, als sie in einigen Ländern eine ?für Auseinandersetzungen über eine Technologie bisher unübertroffene Intensität? erreichte.<ref name="marcuse.org">Herbert P. Kitschelt: ''Political Opportunity and Political Protest: Anti-Nuclear Movements in Four Democracies.'' In: ''British Journal of Political Science.'' Band 16, Nr. 1, 1986, S. 57.</ref><ref>.

Befürworter sehen in der Kernenergie eine nachhaltige Technologie, die die Versorgungssicherheit erhöht, da sie die Abhängigkeit vom Import von Energieträgern reduziert.<ref name="bloomberg.com">''U.S. Energy Legislation May Be 'Renaissance' for Nuclear Power.''</ref> Zudem weisen die Befürworter darauf hin, dass durch Nutzung der Kernenergie eine viel geringere Menge an Treibhausgasen oder Smog als durch fossile Kraftwerke entstehen würde.

Gegner der Kernenergie argumentieren, dass diese viele Gefahren für Mensch und Umwelt beinhaltet.<ref name="Share"> Januar 2007, S. 7.</ref><ref name="protest">Marco Giugni: ''Social Protest and Policy Change: Ecology, Antinuclear, and Peace Movements.'' 2004.</ref>

Sie gehen davon aus, dass es bei Kernkraftwerken als sehr komplexen Maschinen zwangsläufig zu Fehlfunktionen kommen kann und kommen wird und verweisen dabei auf .'' 12. Mai 2010, aufgerufen 11. Oktober 2013.</ref>

Argumente über die Wirtschaftlichkeit der Kernenergie werden von beiden Seiten vorgebracht.

Je nach Umfrageergebnissen und ihrer Interpretation war in den Jahren 2006?2008 etwa die Hälfte der deutschen Bevölkerung gegen Kernenergie.

Siehe auch

Literatur

  • Ian Hore-Lacy: ''Nuclear Energy in the 21st Century: World Nuclear University Press''. Academic Press, 2006, ISBN 0-12-373622-6
  • Paul Laufs: ''Reaktorsicherheit für Leistungskernkraftwerke'', Springer Vieweg, Berlin/ Heidelberg 2013, ISBN 978-3-642-30654-9
  • Raymond L. Murray: ''Nuclear Energy, Sixth Edition: An Introduction to the Concepts, Systems, and Applications of Nuclear Processes''. Butterworth-Heinemann, 2008, ISBN 978-0-12-370547-1
  • Julia Mareike Neles, Christoph Pistner (Hrsg.): ''Kernenergie. Eine Technik für die Zukunft?'' Springer, Berlin/ Heidelberg 2012, ISBN 978-3-642-24329-5
  • Joachim Radkau, Lothar Hahn: ''Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft''. Oekom-Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-86581-315-2
  • Christoph Wehner: ''Die Versicherung der Atomgefahr. Risikopolitik, Sicherheitsproduktion und Expertise in der Bundesrepublik Deutschland und den USA 1945?1986''. Wallstein, 2017, ISBN 978-3-8353-3085-6

Weblinks

Einzelnachweise

<references responsive>
<ref name="faz">
{{Internetquelle

 |url=http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/energiepolitik/vier-jahre-nach-fukushima-japan-faehrt-erstmals-seit-fukushima-gau-reaktor-hoch-13743482.html
 |titel=Japan fährt erstmals seit Fukushima-Gau Reaktor hoch
 |werk=[[Frankfurter Allgemeine Zeitung]]
 |datum=2015-08-10
 |zugriff=2015-08-15}}

</ref>
<ref name="ntv">
{{Internetquelle
 |url=http://www.n-tv.de/politik/Japan-reaktiviert-seine-Atomkraftwerke-article12642686.html
 |titel=Japan reaktiviert seine Atomkraftwerke
 |hrsg=[[n-tv]]
 |datum=2015-08-10
 |zugriff=2014-04-11}}

</ref>
</references>